Gerhard Polt und die Brüder Well- VVK läuft!

Datum: 31.01.2021

Uhrzeit: 19:00 Uhr

Gerhard Polt beim „Bayrischen Abend“ mit den drei „Well-Brüdern aus’m Biermoos“. So nennt sich jetzt, nach der Auflösung der “Biermösl-Blosn”, das neue Trio Christoph, Michael und Karl aus der großen Well-Familie. Altbekannt und doch ganz neu interpretieren sie frech und urbayerisch, im Zusammenspiel der unterschiedlichsten Instrumente, das Geschehen in Bayern. Sie biegen Folklore ins grandios Sarkastische, zerfideln die Gemütlichkeit gekonnt in böse Bissen, steigern sich in den „Gangsta Rap“ 40 Cent , jodeln und schuhplattlern durch die aktuelle Politik.

Gerhard Polt sitzt da wie nebenbei auf der Bühne, gleichsam eine Randgestalt neben dem Instrumenten-Aufgebot aus Harfe, Klarinette, steirischem Akkordeon, Gitarre, Cello, Trompete, Kontrabass, Alphorn, Tuba und Drehleier. Er bedient mal eine Kuhglocke oder »muht« auch mal. Wenn er aber aufsteht zu einem seiner Monologe, wird die Bühne klein, denn die Kraft wird groß, eine mulmige Kraft   . . . . . . .

Auszüge aus dem Bericht von von Hans-Dieter Schütt zum Gastspiel von Gerhard Polt und den Well Brüdern im Berliner Ensembel:

„Polt beobachtet die unregelmäßig arbeitenden Hirne der bayerischen Menschen; wie sie im Gespräch einander verfehlen, wie ihr Kämpfen ab einem bestimmten Punkt sinnlos, aber doch heftiger wird; wie ein Schlagabtausch unter Verwundeten entsteht, die ihren Schmerz blind, also aggressiv weiterzugeben versuchen. Polt ist der große, wissende, böse mitspielende wie böse mitfühlende Spießergeselle auf deutscher Volkstheater-Bühne. Seine apokalyptischen Reiter sehen aus wie Menschen, trinken ihr Bier und bestellen »a Brotzeit, da schau her«. Immer die Kinderschänder sind es, die die schönsten Spielzeuge verteilen.“

„Der Kabarettist ist ein Mobil-Funker zwischen den Sozialwelten. Ein Abkömmling der Volkssänger, der Brettl-Komödianten, der Weißbier-Philosophen. Seine Monologe scheinen mitten ins Denken hineinzuführen und führen doch geradewegs aus ihm hinaus.“

„Es wäre beruhigend, kämen seine Gestalten als Monster daher. Aber sie bleiben Menschen, bei denen alles, was sie so schwer in Worte fassen können, nach Gesetz und Gemütlichkeit schmeckt; irgendwo dazwischen hat Hitler Platz. Mit schmucker Nieder-Tracht auf ins Wirtshaus! Es sind Denunzianten jener freundlichen Art, die uns just beim Anschwärzen was Gutes weismachen wollen. „

„Das Hinterlistige Polts besteht darin, dass er verführt – und uns Zuschauer doch gleichermaßen zum Souverän über diese miesen, fiesen Sehnsüchtlinge der straffen Hierarchie erhebt. Wir fallen ihnen mit entschiedenem Lachen ins Wort, aber was uns begegnet, ist jene Banalität des bösen Alltagsempfindens, der man in der Kneipe, in der Supermarkt-Schlange, im Bus oder sonst wo gern aus dem Wege geht. Weil diese Banalität so bieder, so beiläufig, so nachbarlich, so sorgend daherkommt. Weil man – o Schreck – sich selber begegnen könnte? Brausender Beifall!“

 

Karli Well

Die Nr. 12 in der Geschwisterfolge spielt Klarinette, Steirisches Akkordeon, Gitarre, Saxophon, Kontrabass, Blockflöte, Brummtopf und Alphorn. Er ist Schreiner, staatlich geprüfter Kindergärtner und Erzieher, Häuserrestaurator und außerdem der Tontechniker und Soundexperte der drei. Zudem hat er sich in jahrelanger Arbeit den Ruf des Lieblingsonkels bei seinen zahlreichen Neffen und Nichten erkämpft.

Für die Well-Buam Tanzlmusik erlernte er mit 10 Jahren Klarinette. Von 1979 bis 1981 trat er häufig mit den Mehlpriemeln aus dem Donauried auf und  in den darauf folgenden 8 Jahren war er festes Gruppenmitglied bei den Gugelhupfern mit denen er sogar einen Kleinkunstpreis bekam. Zwar nicht den Deutschen aber immerhin den Österreichischen.

Im zarten Alter von 12 Jahren begann er mit dem Rauchen und durchquerte als Frühpensionist mit 50 den afrikanischen Kontinent auf dem Motorrad. Desaströse Straßenverhältnisse, unzählige Pannen, höchste Pässe und Beipässe konnten ihn nicht aufhalten.

2012 gründete er mit seinen Brüdern Stofferl und Michael die Well Brüder aus’m Biermoos, als Nachfolgeformation der Biermösl Blosn.

Michael Well

Der 13. Spross der Familie Well spielt die Tuba, Drehleier, Banjo, Gitarre und Steirisches Akkordeon sowieso, Cello, Bariton, Solo-Brummtopf und Alphorn.

Bei seinem Bruder Stofferl lernte er anfangs Tenorhorn spielen. Nachdem sich dieser jedoch als Lehrer unmöglich aufführte, flüchtete er zu Tom Walsh von den Münchner Philharmonikern. Dieser äußerst geduldige Mensch schulte ihn auf Tuba und Bariton um. Als 12 Jähriger ersetzte er Hans Well bei den Well-Buam.

Sein Beruf ist eigentlich Sozialpädagoge und Kindergärtner, aber seine Berufung ist Tanzmeister und das Management der drei Brüder aus’m Biermoos, der Wellküren, Geschwister Well, Wellbuam, NouWellcousines, Bäsle-Quartett, der afrikanischen Gumboot-Tanz- formation „Corroboration“ und von Gerhard Polt. Er ist der eigentliche Imperator des Wellperiums. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen. Er ist Archivar und Pfleger des Biermösl Blosn Nachlasses.

Sein virtuoses Drehleierspiel machte ihn weit über die Grenzen Deutschlands (von Tokio bis Kapstadt und Hausen) weltberühmt und berüchtigt.

Stofferl Well

Christoph Well wurde als 14. von 15 Kindern der Lehrersfamilie Well 1959 in Günzlhofen geboren. Mir drei Jahren trat er zum ersten Mal mit seinen Eltern und Geschwistern öffentlich auf. Mit neun erhielt er von seinem Bruder eine Trompete um es sich selbst beizubringen und bei der Tanzlmusi mitzuspielen. Nach der Mittleren Reife studierte er an der Musikhochschule München Trompete.

Mit 18 wurde er Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern. Auf Grund einer Herzoperation gab er diese Stelle mit 21 Jahren auf und erlernte mit einem Stipendium von Maestro S. Celibidache an der Hochschule für Musik München Harfe. Vom 17. bis 52. Lebensjahr spielte er mit seinen Brüdern Michael und Hans in der Biermösl Blosn.

Nach deren Auflösung gründete er mit Michael und Karl Well die Formation „Wellbrüder aus’m Biermoos“, die zusammen mit den Wellküren als „Geschwister Well“ auftreten. Er veröffentlichte zahlreiche Lieder- und Musikbücher, gestaltet für den BR eine Radio- und eine Fernsehsendung, macht Filmmusik, liest in einem Programm mit dem „Bäsle-Quartett“ Mozarts berühmte Bäsle-Briefe und ist als Musiker von Danzig, Ebenried, Venedig, Ingolstadt bis Palermo unterwegs.

Seine musikalische Heimat ist die bairische Volksmusik, deren Weiterentwicklung und Lebendigkeit ihm ein großes Anliegen ist.

Tickets ab 26,00 € über ok-Ticket